Halbleiter aus dem All: Startups fordern die Chip-Industrie heraus
Zwei Startups testen Halbleiterfertigung im Weltraum. Mit SpaceX-Raketen und Mikrogravitation wollen sie reinere Chips herstellen, als es auf der Erde möglich ist.

Zwei Raumfahrt-Startups treiben derzeit ein Konzept voran, das die Halbleiterindustrie grundlegend verändern könnte: die Fertigung von Chips im Weltall. Das US-Startup Besxar, gegründet von der früheren OpenAI-Mitarbeiterin Ashley Pilipiszyn, testet Halbleiterproduktion auf SpaceX-Falcon-9-Raketen und plant insgesamt zwölf Missionen. Das britische Unternehmen Space Forge ist bereits einen Schritt weiter: Im Dezember 2025 zündete es erstmals Plasma an Bord seines Satelliten ForgeStar-1 im Orbit, bei rund 1.000 Grad Celsius.
Reinere Kristalle durch Vakuum und Mikrogravitation
Die Idee dahinter ist physikalisch nachvollziehbar. Im Vakuum und unter Mikrogravitation lassen sich Sedimentation, Konvektion und Oberflächenspannungseffekte vermeiden, die auf der Erde für Fehler in der Kristallstruktur sorgen. Besonders Gallium-Nitrid und andere III-V-Halbleiter sollen im All reinere und größere Kristalle bilden als in irdischen Reinräumen. Bei Besxars erstem Flug im Juli 2026 zeigten Wafer-Proben tatsächlich weniger Verunreinigung als auf der Erde produzierte Vergleichsmuster, obwohl dabei ein Messsystem ausfiel.
Space Forge geht noch weiter und spricht von "Microgravity-as-a-Service": Ein Materialwissenschaftler des Unternehmens formulierte es so: "Microgravity gives us perfect crystals every time." CEO Joshua Western bezeichnete die Plasmazündung im Orbit als fundamentalen Wandel: "Generating plasma on orbit represents a fundamental shift, it proves that the essential environment for advanced crystal growth can be achieved on a dedicated, commercial satellite."
Kapital und Infrastruktur als Basis
Besxar hat bislang fast 14 Millionen US-Dollar eingesammelt, davon 9 Millionen US-Dollar in einer Seed-Runde von Dauntless Ventures und Overture VC. Space Forge konnte in einer Series-A-Runde 22,6 Millionen britische Pfund einwerben. Beide Firmen profitieren davon, dass SpaceX die Kosten für Raumflüge durch die Wiederverwendbarkeit der Falcon-9-Rakete drastisch gesenkt hat. 2025 absolvierte die Trägerrakete über 163 Orbitalflüge, 2026 wurden bereits mehr als 100 Missionen gezählt, was sie zu einer naheliegenden Plattform für kommerzielle Raumfabriken macht.
Besxar zufolge könnten künftige Produktionsanlagen im All auf Hunderte bis Tausende Wafer kommen. Laut Besxar ermöglicht das Vakuum im Orbit reinere Kristallstrukturen als terrestrische Reinraum-Produktion. Konkurrenten wie United Semiconductors, Varda und Sierra Space arbeiten an ähnlichen Konzepten des In-Orbit-Manufacturing, eine kommerzielle Skalierung wird jedoch frühestens für Mitte bis Ende 2027 erwartet.
Was das für Europa bedeutet
Für die europäische Halbleiterindustrie ist die Entwicklung von besonderem Interesse. Rund zwei Drittel der globalen Mikrochip-Produktion stammen derzeit aus Taiwan, was erhebliche Lieferkettenrisiken durch geopolitische Spannungen und Krisen mit sich bringt. Die EU reagierte bereits Mitte 2023 mit dem Chips Act, einem 43-Milliarden-Euro-Paket zur Stärkung der europäischen Chip-Produktion. Ob orbitale Fertigung dabei eine ergänzende Rolle spielen kann, ist bislang offen, denn bei den bekannten Vorreitern Besxar und Space Forge handelt es sich um ein US-amerikanisches und ein britisches Unternehmen, während spezifisch deutsche oder kontinentaleuropäische Startups im In-Orbit-Manufacturing bislang nicht bekannt sind.
Dennoch zeigt der europäische Raumfahrtsektor insgesamt Dynamik: Startups wie Isar Aerospace haben mit dem Start einer Orbitalrakete vom europäischen Festland bereits gezeigt, dass Europa technologisch aufholen kann, während Firmen wie The Exploration Company mit einer 450-Millionen-Dollar-Finanzierung für europäische Raumfahrt zeigen, dass auch Kapital in großem Umfang verfügbar ist. Insgesamt treten europäische Space-Tech-Startups mit wachsendem Kapital gegen SpaceX an, was langfristig auch Raum für eigene Ansätze im Bereich der Weltraumfertigung schaffen könnte.
Offene Fragen bleiben
Ob sich die Produktion im All wirtschaftlich gegenüber irdischen Fabriken durchsetzen kann, hängt stark von Transport- und Rückkehrkosten ab, die bislang nicht abschließend geklärt sind. Auch regulatorische Fragen rund um das Weltraumrecht könnten die kommerzielle Nutzung des Orbits für die Halbleiterfertigung einschränken. Bis belastbare Antworten vorliegen, bleibt die orbitale Chipproduktion ein ambitioniertes, aber noch unbewiesenes Geschäftsmodell.
Häufige Fragen zum Thema
- Wie funktioniert Halbleiterproduktion im Weltall?
- Im Vakuum und unter Mikrogravitation des Orbits entfallen Sedimentation, Konvektion und Oberflächenspannungseffekte, die auf der Erde die Kristallstruktur von Halbleitern beeinträchtigen. Dadurch lassen sich reinere und größere Kristalle formen, etwa aus Gallium-Nitrid.
- Welche Unternehmen produzieren bereits Halbleiter im Orbit?
- Das US-Startup Besxar testet die Fertigung auf SpaceX-Falcon-9-Raketen, das britische Unternehmen Space Forge zündete im Dezember 2025 erstmals Plasma an Bord seines Satelliten ForgeStar-1 im Orbit.
- Gibt es deutsche Startups im Bereich In-Orbit-Manufacturing für Halbleiter?
- Nach aktuellem Kenntnisstand kommen die bekannten Vorreiter aus den USA und Großbritannien. Speziell deutsche oder kontinentaleuropäische Startups in diesem Segment sind bislang nicht bekannt.
Quellen dieser Recherche
- IEEE Spectrum: Space Forge Evaluates In-Orbit Manufacturing Tech
- TechCrunch: Besxar Building Orbital Semiconductor Factory with SpaceX
- Advanced Manufacturing: Space Semiconductor Manufacturing Takes Off in Texas
- Factories in Space: Orbital Microfabrication
- Space-Startups.org: Top 15 Space Manufacturing Startups 2026
- Asia Manufacturing Review: Besxar, SpaceX Partner to Make Semiconductors in Orbit
- AI Insider: Startup Besxar Partners With SpaceX for Orbital Semiconductor Manufacturing
- Science Array: Orbital Chip Factories – Space Manufacturing Targets 2027
- Yahoo Tech: Space Forge Fires Up First Commercial Semiconductor Factory in Space
- IT Daily: Europa auf dem Weg zur ganzheitlichen Halbleiterproduktion
- Wikipedia: Tabelle zur deutschen Halbleiterindustrie
- Winfuture: Halbleiterfabrik im All – Startup will mit SpaceX Chips produzieren
- AI Insider: Startup Besxar Partners With SpaceX for Orbital Semiconductor Manufacturing
Dieser Artikel wurde von der KI-Redaktion von Autark News automatisiert recherchiert und erstellt. Alle Angaben basieren auf den oben genannten Quellen, Stand: 11. September 2026.
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