Elektromotoren ohne Seltene Erden: Startups fordern Chinas Rohstoffmacht heraus
Vimag Labs, AEM und Chara Technologies patentieren Motorkonzepte ohne Seltene Erden. Sie wollen die Abhaengigkeit von China durchbrechen, die bei 91 Prozent der Aufbereitung liegt.

Die weltweite Elektromobilität hängt an einem dünnen Faden: China kontrolliert 91 Prozent der globalen Aufbereitung Seltener Erden und 94 Prozent der Produktion gesinterter Permanentmagnete für Fahrzeugantriebe. Mehrere Startups aus Indien und Europa arbeiten nun an Motorkonzepten, die komplett auf diese Rohstoffe verzichten und damit Lieferketten neu ordnen könnten.
Indische Startups mit patentierten Lösungen
Das Bengaluru-Startup Vimag Labs hat mit dem Virtual Magnet Synchronous Motor (VMSM) eine Architektur entwickelt, die mit fünf indischen Patenten abgesichert ist. Der Prototyp erreicht eine Dauerleistung von 6 Kilowatt bei einem Drehmoment von 58 Newtonmetern. Wie es in der Beschreibung der Technologie heißt: „Der Motor benötigt dadurch keinerlei Seltene Erden, sondern kommt mit Kupfer, Stahl und Standardelektronik aus.“ Bis Ende 2026 will das Unternehmen zwischen 1.000 und 10.000 VMSM-Einheiten ausliefern, unterstützt durch einen anwendungsspezifischen Chip, der die Kosten der Steuerelektronik um bis zu 90 Prozent senken soll.
Auch Chara Technologies, ebenfalls aus Bengaluru, treibt die Skalierung voran: Im Oktober 2025 sicherte sich das Unternehmen 6 Millionen USD Serie-A-Finanzierung, um die Produktion auf 100.000 Motoreinheiten jährlich auszubauen. Solche Finanzierungsrunden reihen sich in einen breiteren Trend ein, wie er auch bei anderen Cleantech-Startups zu beobachten ist, etwa im Zusammenhang mit der Finanzierungsrunde des Energiesoftware-Startups Gridcog.
Europäische Antworten auf die Rohstoffkrise
In Großbritannien hat Advanced Electric Machines (AEM) im November 2023 eine Serie-A-Finanzierung von 29 Millionen USD für Reluktanzmotoren ohne Kupfer und Seltene Erden eingesammelt. Im Januar 2026 meldete das Unternehmen Entwicklungsverträge mit dem weltgrößten Automobilzulieferer und einem asiatischen OEM. AEM-Chef James Widmer sagt: „Automobilhersteller suchen aktiv nach Technologien, ihre Abhängigkeit von konzentrierten Lieferketten zu reduzieren.“ Er betont zudem: „Unsere Motoren haben bereits Millionen von Kilometern Einsatz hinter sich, die Technologie funktioniert ohne Magnete und ohne Seltene Erden.“ Durch Aluminiumleiter statt Kupfer sinken die Spulenkosten laut Widmer um 89 Prozent, gleichzeitig steigt die Leistung um 30 Prozent. Sein erklärtes Ziel: „Unsere Mission ist es, die Abhängigkeit von Seltenen Erden und Kupfer zu beseitigen, die erhebliche Herausforderungen für Umwelt, Politik und Finanzen mit sich bringt.“
Deutschland ist ebenfalls Teil dieser Entwicklung. Die Universität Stuttgart hat 2024 eine induktiv elektrisch erregte Synchronmaschine patentiert und die Lizenz an einen regionalen Zulieferer verkauft. Dr. Max Hoßfeld vom InnovationsCampus Mobilität der Zukunft erklärt: „Unsere Innovationen stärken den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg und verringern unsere Abhängigkeit von globalen Rohstoffrisiken.“ Rund 20 Prozent der Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe Baden-Württembergs basieren auf Produkten mit Seltenen Erden, weshalb Hoßfeld betont: „Der Verzicht auf Seltene Erden senkt die Kosten und stärkt lokale Lieferketten und die Produktionssicherheit.“ Auch Emil Motors aus Deutschland setzt mit einer Axialfluss-Asynchronmaschine auf den Wegfall von Magneten und will damit bis zu 70 Kilogramm CO2 pro Motor einsparen.
Etablierte Hersteller ziehen mit
BMW produziert bereits seit 2016 Elektromotoren ohne Seltene Erden. Projektleiter Uwe Deuke erläutert: „Eine stromerregte Maschine hat keine Nachteile in der Leistungscharakteristik. Im Gegenteil, sie kann konstant Spitzenleistung bis Höchstdrehzahl abgeben.“ Der französische Zulieferer Valeo entwickelt seit 2022 an einem eigenen Antrieb ohne Seltene Erden, dessen Markteinführung frühestens 2028 erwartet wird. Parallel investieren EU und Indien 15,2 Millionen Euro in das Recycling von E-Auto-Batterien, um kritische Rohstoffe zurückzugewinnen. Angesichts einer europäischen Importabhängigkeit von 95 Prozent bei Seltenen Erden aus China dürfte das Interesse an solchen alternativen Antrieben, ähnlich wie bei anderen Deep-Tech-Finanzierungen in der Startup-Szene, weiter wachsen.
Offene Fragen zum Wettlauf der Technologien
Ob sich am Ende VMSM, iEESM, AEM-Reluktanzmotoren oder der Valeo-Ansatz durchsetzt, ist offen. Ebenso unklar bleibt, ob indische Startups den kommerziellen Durchbruch vor westlichen Wettbewerbern schaffen oder Nischenanbieter bleiben. Entscheidend wird sein, wie schnell sich Wirkungsgrad-Defizite bei größerem Bauraum kompensieren lassen, um mit Permanentmagnet-Motoren kostenmäßig und leistungsmäßig gleichzuziehen.
Häufige Fragen zum Thema
- Warum wollen Startups auf Seltene Erden bei Elektromotoren verzichten?
- China kontrolliert 91 Prozent der weltweiten Aufbereitung Seltener Erden und 94 Prozent der Permanentmagnetproduktion für Fahrzeugantriebe. Diese Konzentration gilt als Lieferketten- und geopolitisches Risiko, dem Startups mit alternativen Motorkonzepten begegnen wollen.
- Welche Unternehmen entwickeln Elektromotoren ohne Seltene Erden?
- Zu den Akteuren gehören Vimag Labs und Chara Technologies aus Indien, Advanced Electric Machines aus Großbritannien, die Universität Stuttgart sowie Emil Motors aus Deutschland und der französische Zulieferer Valeo.
- Wann kommen Elektromotoren ohne Seltene Erden auf den Markt?
- Vimag Labs plant bis Ende 2026 die Auslieferung von 1.000 bis 10.000 Einheiten. Valeo erwartet eine Markteinführung frühestens 2028, während BMW bereits seit 2016 stromerregte Maschinen produziert.
Quellen dieser Recherche
- Forschung und Wissen: Indisches Startup patentiert Elektromotor ohne Seltene Erden
- Forschung und Wissen: Vimag Labs Motorentechnik (zweite Quelle)
- e-mobil BW / InnovationsCampus: Neuartiger Elektromotor ohne Seltene Erden
- AEEmobility: AEM – Elektromotore ohne Kupfer und Seltene Erden
- xpert.digital: Electric Motors Without Rare Earths
- Auto Motor und Sport: Elektromotor ohne Neodym – Emil Motors Nachhaltige Innovation
- electrive.net: E-Motoren ohne seltene Erden: AEM meldet weiteren Entwicklungspartner
- WirtschaftsWoche: Begehrte Rohstoffe – E-Motoren-Entwickler finden Alternativen zu Chinas seltenen Erden
- Ad-hoc-news: EU und Indien starten Millionen-Offensive für E-Auto-Batterien
- Umweltwirtschaft.com: Europas Startups treiben Kreislaufwirtschaft voran
- Forschung und Wissen: Vimag Labs Prototyp-Spezifikationen
- Konstruktionspraxis: Effiziente und nachhaltige Elektromotoren – AEM Technologie
Dieser Artikel wurde von der KI-Redaktion von Autark News automatisiert recherchiert und erstellt. Alle Angaben basieren auf den oben genannten Quellen, Stand: 17. Juli 2026.
Passend zum Thema
Teenager gründen Startups ohne Code: Wie KI die Gründerszene verändert
Programmierkenntnisse waren lange die größte Hürde für Gründer. No-Code-KI-Plattformen räumen diese Barriere weg, junge Menschen bauen jetzt Apps und Startups ohne eine Zeile Code.
Selbstheilende Polymere: Schweizer Startups fordern etablierte Industrien heraus
Selbstheilende Polymere reparieren Risse automatisch und sollen Produktabfälle um bis zu 30% senken. Schweizer Startups wie Healable Materials treiben die Technologie voran, doch die Kosten bremsen den Durchbruch.
Space-Tech-Boom: Europäische Startups fordern SpaceX mit Milliardenkapital heraus
Mit Milliardenkapital rüsten sich europäische Weltraum-Startups gegen SpaceX. The Exploration Company, ICEYE und Isar Aerospace zeigen, wie souveräne Raumfahrt finanziert wird.


