Geothermie-Startups verwandeln alte Bohrlöcher in neue Energiequellen
Vom stillgelegten Ölfeld zum Kraftwerk: Startups wie Zanskar, Factor2 Energy und Greenwell reaktivieren alte Bohrlöcher und wollen mit neuen Techniken Geothermie wirtschaftlich machen.

Eine wachsende Zahl junger Unternehmen setzt darauf, stillgelegte Energieinfrastruktur nicht abzureißen, sondern neu zu nutzen. Statt teurer Neuerschließungen greifen Geothermie-Startups auf vorhandene Bohrlöcher und Kraftwerksstandorte zurück und kombinieren sie mit Techniken aus der Öl- und Gasindustrie.
Reaktivierte Kraftwerke als Blaupause
Das Startup Zanskar Geothermal erwarb 2024 ein stillgelegtes Geothermiekraftwerk in New Mexico und brachte es innerhalb von zwei Jahren mit neuen Bohrungen zurück auf volle Kapazität. Ähnlich geht das Wiener Startup Greenwell vor, das stillgelegte Öl-Bohrlöcher in Geothermie-Anlagen umwandelt. Beide Beispiele zeigen ein Muster, das sich durch die Branche zieht: Vorhandene Infrastruktur ist günstiger zu reaktivieren als komplett neue Standorte zu erschließen.
Deutsche Startups setzen auf CO₂ statt Wasser
In Deutschland verfolgt das Duisburger Startup Factor2 Energy einen technisch anderen Ansatz. Statt Wasser nutzt das Unternehmen CO₂ als Arbeitsmedium in Geothermiekraftwerken, was theoretisch die Stromausbeute verdoppeln soll. „Die Stärke unserer CO₂-basierten Tiefengeothermie liegt in der Stromerzeugung“, sagt Co-Gründer Felix Böhmer. Das von einer Siemens-Energy-Ausgründung gegründete Unternehmen sammelte im Juni 2025 9 Millionen US-Dollar in einer Serie-A-Finanzierung ein. Böhmer betont zudem, der Ansatz ermögliche „eine emissionsfreie und effiziente Stromproduktion, ideal für traditionelle Öl- und Gasunternehmen“.
Zusammen mit dem Münchner Startup Hades Mining sammelte Factor2 Energy insgesamt 13,3 Millionen Euro von Investoren ein, aufgeteilt in Finanzierungen von 5,5 und 7,8 Millionen Euro. Damit reihen sich die beiden Unternehmen in eine Reihe deutscher Startups ein, die trotz der oft gefährlichen Finanzierungslücke nach der Series A Kapital für kapitalintensive Deeptech-Projekte einwerben können.
Öl-Bohrtechnik für neue Tiefen
Zentral für viele dieser Geschäftsmodelle ist der Rückgriff auf Bohrtechniken der Öl- und Gasindustrie. Hochdruck-Wasserstrahlbohrung und Laserbohrtechnologie ermöglichen schnellere und effizientere Tiefbohrungen mit geringerem Verschleiß. Das US-Unternehmen Fervo Energy nutzt solche Techniken, um Geothermie in bis zu 5.000 Metern Tiefe bei konstanten 270 Grad Celsius zu erschließen, Temperaturen, die mit konventionellen hydrothermalen Systemen kaum zugänglich wären.
Auch das kanadische Startup Eavor Technologies setzt mit seiner Eavor-Loop-Technologie am Standort Geretsried auf innovative Bohrverfahren und plante bereits für 2024 den Einstieg in die Stromproduktion. Nordamerikanische Startups wie Fervo, Sage Geosystems, Eavor und Quaise Energy sammelten 2024 erhebliche Mittel für Technologie-Demonstrationen ein und liegen damit im Finanzierungstempo oft vor der europäischen Konkurrenz.
Regulierung und Marktpotenzial
Die Bundesregierung reagierte 2024 mit einem Geothermie-Beschleunigungsgesetz, das Genehmigungsverfahren für Startups vereinfachen soll. Das ist relevant, weil Geothermie aktuell nur 0,4 Prozent der Stromerzeugung in der EU ausmacht, während das theoretische Potenzial in Deutschland bei 25 Prozent des Wärmebedarfs liegt. Ähnlich wie andere Bereiche der Startup-Förderung profitiert die Branche von politischer Unterstützung, wie sie auch die aktuelle Startup-Strategie des Bundes für 2026 vorsieht.
Geschäftsmodelle wie das des Unternehmens Innargi gehen dabei noch einen Schritt weiter: Der Anbieter übernimmt sämtliche Risiken von der Probebohrung bis zur Energielieferung an Fernwärmeprovider und positioniert sich damit als Rundum-Dienstleister für Kommunen.
Offene Fragen bleiben
Trotz der Fortschritte bleiben zentrale Fragen ungeklärt. Wie Startups angesichts hoher Bohrkosten und langer Amortisationszyklen dauerhaft wirtschaftlich arbeiten können, ist offen. Ebenso ungeklärt ist die Haftungsfrage für Umweltrisiken bei der Wiedernutzung alter Öl-Bohrungen. Und ob deutsche Startups schnell genug skalieren können, um im internationalen Vergleich mit gut finanzierten nordamerikanischen Wettbewerbern Schritt zu halten, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Experten schätzen, dass neue Geothermie-Systeme bis 2050 weltweit 600 Terawatt kohlendioxidfreier Energie erzeugen könnten, ein Potenzial, das die aktuelle Dynamik der Branche erklärt.
Häufige Fragen zum Thema
- Wie funktioniert die Reaktivierung stillgelegter Geothermiekraftwerke?
- Startups wie Zanskar Geothermal nutzen vorhandene Bohrlöcher und Infrastruktur alter Anlagen und bringen sie mit neuen Bohrungen wieder auf volle Kapazität, was günstiger ist als eine komplette Neuerschließung.
- Was macht Factor2 Energy anders als klassische Geothermiekraftwerke?
- Das Duisburger Startup nutzt CO₂ statt Wasser als Arbeitsmedium, was theoretisch die Stromausbeute verdoppeln soll und speziell für die Stromerzeugung geeignet ist.
- Welchen Anteil hat Geothermie aktuell an der Stromerzeugung?
- Geothermie macht derzeit nur 0,4 Prozent der Stromerzeugung in der EU aus, obwohl das theoretische Potenzial für den deutschen Wärmebedarf bei rund 25 Prozent liegt.
Quellen dieser Recherche
- t3n: Totgeglaubtes Geothermiekraftwerk – Zanskar reaktiviert Anlage mit Bohrloch
- Zeitung für Kommunalwirtschaft: CO₂ statt Wasser – Startup will Geothermie-Strom verdoppeln
- Handelsblatt: Deutschland – Dieses Start-up revolutioniert Geothermie mit neuer Technologie
- FasterCapital: Geothermische Innovationen – Die Erdwärme Nutzen
- Börsen-Zeitung: Deeptech-Startups hoffen auf den Geothermie-Turbo
- Bundesregierung Geothermie-Beschleunigungsgesetz 2024
- Trending Topics: Greenwell – Wiener Startup recycelt Bohrloch für grüne Energie
- Trending Topics: Greenwell – Wiener Startup recycelt Bohrloch
- UMFIS: Geothermie Technologien Innovationen
- IT Boltwise: Geothermie-Startups treiben Energiewende voran
- Handelsblatt: Deutschland – Dieses Start-up revolutioniert Geothermie
- zukunftpassiert.de: Innovationssprung in der Geothermie
- zukunftpassiert.de: Innovationssprung in der Geothermie
- Innargi: Was wir machen
Dieser Artikel wurde von der KI-Redaktion von Autark News automatisiert recherchiert und erstellt. Alle Angaben basieren auf den oben genannten Quellen, Stand: 4. August 2026.
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