Lufthansa senkt Gewinnziel: Kerosinkosten und Streiks reißen Löcher in die Bilanz
Lufthansa senkt sein Gewinnziel für 2026 deutlich. Kerosinkosten, Streiks und ein Nettogewinneinbruch um 88 Prozent offenbaren die Verwundbarkeit des deutschen Luftfahrtstandorts.

Die Lufthansa hat ihr Gewinnziel für das laufende Jahr deutlich zurückgenommen. Statt eines Ergebnisses, das ‚deutlich' über dem Vorjahreswert von 1,96 Milliarden Euro liegen sollte, rechnet der Konzern nun nur noch mit einem bereinigten EBIT zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Euro. Die Korrektur folgt auf ein zweites Quartal, in dem der bereinigte Betriebsgewinn um 56 Prozent auf 383 Millionen Euro einbrach und der Nettogewinn sogar um 88 Prozent auf 123 Millionen Euro schrumpfte.
Kerosin, Streiks und eine Kette von Belastungen
Die Ursachen sind vielschichtig, aber klar benannt: Der Iran-Krieg trieb die Kerosinpreise massiv nach oben und belastete das zweite Quartal allein mit 750 Millionen Euro zusätzlichen Treibstoffkosten. Hinzu kamen sechs Streiktage des Cockpitpersonals im April 2026, die das Ergebnis mit weiteren 150 Millionen Euro belasteten. Über das gesamte Jahr summierten sich die Kosten der Piloten- und Flugbegleiterstreiks nach Angaben aus dem Konzern auf rund 200 Millionen Euro. Vorstandschef Carsten Spohr brachte das Grundproblem auf den Punkt: „Höhere Ticketpreise hätten den starken Anstieg der Treibstoffpreise bisher nicht ausgleichen können.“ Kunden buchen zunehmend kurzfristig, was den Airlines wenig Spielraum lässt, Kostensteigerungen über den Preis weiterzugeben.
Die operativen Folgen sind bereits sichtbar. Die Regionaltochter Lufthansa Cityline wurde am 18. April 2026 abrupt eingestellt, wovon 1.300 Beschäftigte betroffen waren. Bis Oktober streicht der Konzern insgesamt rund 20.000 Flüge. Der Kapitalmarkt reagierte entsprechend: Nach der Gewinnwarnung vom 4. August 2026 fiel die Lufthansa-Aktie um 8,7 Prozent auf 8,42 Euro.
Ein Konzern als Spiegel des Standorts
Die Krise der Lufthansa lässt sich nicht isoliert betrachten. Sie fällt in eine Phase, in der der gesamte deutsche Luftfahrtsektor unter strukturellem Druck steht. Die deutsche Sitzplatzkapazität lag 2025 nur bei 89 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019. Am Flughafen Frankfurt am Main sank das Fluggastaufkommen von 70,5 Millionen Passagieren im Jahr 2019 auf 63,2 Millionen im Jahr 2025, am Berliner BER-Flughafen von kombiniert 35,65 Millionen auf 26,1 Millionen. Der Branchenverband BDL beziffert die staatlich verursachten Standortkosten für 2025 auf 4,3 Milliarden Euro, ein Anstieg um mehr als eine Milliarde Euro gegenüber dem Vorjahr.
Auch andere Fluggesellschaften ziehen Konsequenzen: Ryanair schließt seine Berlin-Basis mit sieben Flugzeugen ab Oktober 2026. Eine Analyse von Tichys Einblick fasst die Lage so zusammen: „Wie alle Airlines am Standort Deutschland kämpft auch die Lufthansa mit strukturellen Kostenproblemen.“ Während Zulieferer wie die in der Flottenmodernisierung der Luftfahrtbranche aktiven Mittelständler von Investitionen in neue Flugzeuge profitieren, bleibt der Betrieb bestehender Flotten für die Airlines selbst ein Verlustgeschäft. Andere deutsche Industriekonzerne zeigen unterdessen, dass Kurskorrekturen gelingen können: Siemens Energy verdreifachte seinen Gewinn im dritten Quartal 2026, auch ZF Friedrichshafen meldete nach Krisenjahren die Rückkehr zur Rentabilität.
Offene Fragen für den Luftfahrtstandort
Wie lange die deutsche Luftfahrtbranche die Margendruck-Spirale noch aushält, bevor weitere Standorte oder Strecken geschlossen werden, bleibt offen. Ebenso unklar ist, ob sich Ticketpreiserhöhungen angesichts schwacher Nachfrage und kurzfristiger Buchungsmuster dauerhaft durchsetzen lassen. Welche politischen Maßnahmen die Bundesregierung gegen die erneuerte Standortkrise plant, ist derzeit nicht absehbar. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Lufthansa mit Kapazitätskürzungen und Kostensenkungen die Wende schafft oder ob die Gewinnwarnung erst der Anfang einer längeren Talfahrt ist.
Häufige Fragen zum Thema
- Warum hat Lufthansa ihr Gewinnziel für 2026 gesenkt?
- Massiv gestiegene Kerosinkosten infolge des Iran-Kriegs sowie Streiks des Cockpitpersonals belasteten das Ergebnis stark. Statt eines deutlichen Anstiegs erwartet Lufthansa nun ein bereinigtes EBIT von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro.
- Wie stark ist der Lufthansa-Gewinn im zweiten Quartal 2026 eingebrochen?
- Der bereinigte Betriebsgewinn sank um 56 Prozent auf 383 Millionen Euro, der Nettogewinn brach sogar um 88 Prozent auf 123 Millionen Euro ein.
- Was bedeutet die Gewinnwarnung für die Lufthansa-Aktie?
- Die Aktie fiel nach der Gewinnwarnung vom 4. August 2026 um 8,7 Prozent auf 8,42 Euro. Der Konzern streicht zudem bis Oktober rund 20.000 Flüge.
Quellen dieser Recherche
- Lufthansa hält 2026 Gewinnrückgang für möglich - Badische Zeitung
- Gewinnwarnung bei der Lufthansa - Tichys Einblick
- Teures Kerosin: Lufthansa erleidet Gewinneinbruch - aero.de
- Lufthansa-Gewinn sinkt wegen höherer Kerosinpreise deutlich - ZDF heute
- 200 Millionen Euro Streikkosten: Lufthansa CEO rechnet vor - Frankfurtflyer.de
- Ende der Cityline: Lufthansa berichtet über turbulentes Quartal - WirtschaftsWoche
- Lufthansa-Aktie: Unternehmen schneidet schlechter ab - Deutsche Wirtschafts Nachrichten
- Keine Trendwende: Wie Deutschland seinen Luftverkehr zerstört - Apollo News
Dieser Artikel wurde von der KI-Redaktion von Autark News automatisiert recherchiert und erstellt. Alle Angaben basieren auf den oben genannten Quellen, Stand: 6. August 2026.
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