Aldi Süd spart bei Backstationen: Wie Discounter den Preisdruck weitergeben
Aldi Süd stellt seine Backstationen infrage und testet Alternativen mit weniger Artikeln. Der Schritt zeigt, wie stark Discounter unter Kostendruck stehen.

Aldi Süd stellt die Backstationen in ihrer bisherigen Form infrage und testet deshalb alternative Konzepte. Der Discounter erprobt Filialen mit weniger Artikeln und weniger Backvorgängen, teilweise sollen Backwaren bereits fertig gebacken angeliefert werden, statt sie vor Ort zu backen. Der Hintergrund: Backstationen gelten zwar als wichtiger Kundenmagnet, verursachen aber erhebliche Personal- und Energiekosten.
Sparen an allen Fronten
Die Suche nach günstigeren Backlösungen ist kein Einzelfall. Aldi Süd und andere Discounter arbeiten seit gut zwei Jahren daran, Kosten in allen Bereichen zu senken. Ein Indiz dafür ist auch die Entwicklung der Sonderangebote: Zwischen dem ersten Quartal 2026 und dem ersten Quartal 2025 sank ihre Zahl um 4 Prozent, gegenüber dem ersten Quartal 2024 sogar um 16 Prozent. Sonderangebote verlieren als Kundenmagnet an Bedeutung, weil sich die Preise zwischen Discountern und Supermärkten immer stärker angleichen.
Der Warenaufwand macht im Einzelhandel 60 bis 75 Prozent des Umsatzes aus. Entsprechend groß ist der Hebel, den Handelsketten hier ansetzen. Marcus Kroth, Partner bei der Boston Consulting Group, bringt es auf den Punkt: „Der wichtigste Hebel, um die Kosten im Einzelhandel zu reduzieren, ist die Optimierung des direkten Einkaufs.“ Backwaren bringen Kunden in die Märkte, verursachen aber zugleich viel Personal- und Energieaufwand, wie es in einer Analyse zu den Aldi-Backstationen heißt.
Ein Markt mit wenigen Playern
Der deutsche Lebensmittelhandel ist hochkonzentriert. Discounter kontrollieren 38 Prozent des Marktes für Produkte des täglichen Bedarfs, und insgesamt teilen sich vier Ketten, Edeka, die Schwarz-Gruppe, Rewe und Aldi, 85 bis 87 Prozent des gesamten Marktes. In einem solchen Umfeld verschiebt sich der Preisdruck spürbar entlang der Lieferkette: Gewinnmargen wandern weg von der Landwirtschaft hin zu Industrie und Handel. Discounter-Eigenmarken sind dabei besonders knapp kalkuliert, weshalb Kostensteigerungen dort direkter an Verbraucher weitergegeben werden.
Dass Verbraucher auf diese Entwicklung reagieren, zeigen aktuelle Zahlen: 57 Prozent der Verbraucher haben ihre Einkaufsgewohnheiten wegen hoher Preise geändert, etwa die Hälfte davon wechselte zu Discountern. Diese Verschiebung verschärft wiederum den Wettbewerb zwischen den Ketten und erhöht den Druck, an anderer Stelle zu sparen, etwa bei Backstationen.
Steigende Lohnnebenkosten als zusätzliche Belastung
Zu den strukturellen Kostenfaktoren kommt eine politische Komponente hinzu. Der Handelsverband Deutschland warnt, dass Lohnnebenkosten auf 50 Prozent steigen könnten, und fordert eine Obergrenze von 40 Prozent. Der Verband kritisiert zudem geplante Änderungen bei Minijobs: „Steigende Lohnnebenkosten und geplante Änderungen bei Minijobs stoßen auf Kritik, da flexible Beschäftigungsmodelle für die Branche essenziell sind.“ Wie stark diese Kostensteigerungen am Ende auf die Verbraucher durchschlagen oder durch andere Einsparungen kompensiert werden, ist bislang offen. Diese Gemengelage aus Marktkonzentration, sinkenden Margen und steigenden Lohnnebenkosten reiht sich in eine allgemein angespannte konjunkturelle Lage ein, wie sie auch die schwache Stimmung in der deutschen Wirtschaft widerspiegelt.
Ausblick: Wer zahlt am Ende die Zeche?
Offen bleibt, welche genauen Kosteneinsparungen Aldi Süd durch die neuen Backstation-Konzepte tatsächlich erzielt und wie sich die Preislast zwischen Lieferkette und Verbraucher durch die Eigenmarken-Strategie konkret verschiebt. Klar ist aber schon jetzt: Die Tage der klassischen, üppig bestückten Backstation könnten gezählt sein, wenn Discounter wie Aldi Süd ihre Kostenstruktur weiter optimieren müssen, um im hart umkämpften Markt bestehen zu können.
Häufige Fragen zum Thema
- Warum testet Aldi Süd neue Backstation-Konzepte?
- Backstationen verursachen hohe Personal- und Energiekosten. Aldi Süd will mit weniger Artikeln und weniger Backvorgängen sowie teilweise fertig angelieferten Backwaren Kosten senken.
- Wie groß ist der Marktanteil der Discounter in Deutschland?
- Discounter kontrollieren 38 Prozent des Marktes für Produkte des täglichen Bedarfs. Zusammen mit Edeka, der Schwarz-Gruppe und Rewe teilen sich vier Ketten 85 bis 87 Prozent des gesamten Marktes.
- Warum gibt es weniger Sonderangebote im Handel?
- Die Zahl der Sonderangebote sank im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozent, gegenüber 2024 sogar um 16 Prozent. Grund ist die zunehmende Preisangleichung zwischen Discountern und Supermärkten.
Quellen dieser Recherche
- Lebensmittelzeitung: Sparmaßnahme - Aldi Süd will günstiger backen
- Heidelberg24: Ende der klassischen Backstation bei Aldi? Was der Discounter ändern will
- T-Online: Discounter und Supermarkt fast gleich teuer – nur beim Sortiment bleibt die Kluft
- Rosa-Luxemburg-Stiftung: Wer profitiert von der Lebensmittel-Inflation?
- ZDF heute: Inflation verändert Kaufverhalten: Discounter statt Supermarkt
- Lebensmittelpraxis: Künstliche Intelligenz senkt Einkaufskosten im Einzelhandel
- Jacobin Magazin: Den höchsten Preis zahlen die Ärmsten
- Retail News: Einzelhandel drängt auf Bürokratieabbau und Kostensenkungen
- Handelsverband Deutschland: HDE behält Jahresprognose - Lohnnebenkosten drohen auf 50 Prozent
- Statista: Kostenstruktur im Einzelhandel in Deutschland
Dieser Artikel wurde von der KI-Redaktion von Autark News automatisiert recherchiert und erstellt. Alle Angaben basieren auf den oben genannten Quellen, Stand: 8. August 2026.
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