Deutsche Autoindustrie im Umbau: Stellenabbau und Verlagerung nach Osteuropa
Bis 2035 könnten 225.000 Jobs in der deutschen Autoindustrie wegfallen. VW, Mercedes und BMW bauen Stellen ab und verlagern Produktion nach Ungarn.

Die deutsche Autoindustrie steckt in einer Umbruchphase, die sich zunehmend in konkreten Zahlen niederschlägt. Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW und zahlreiche Zulieferer reagieren auf sinkende Profitabilität mit massivem Stellenabbau und der Verlagerung von Produktionskapazitäten nach Osteuropa, vor allem nach Ungarn. Der Branchenverband VDA rechnet mittlerweile mit deutlich größeren Beschäftigungsverlusten als bisher angenommen.
Prognosen fallen düsterer aus als erwartet
Nach aktuellen Berechnungen des Verbands der Automobilindustrie könnte die deutsche Autoindustrie bis 2035 rund 225.000 Arbeitsplätze verlieren, 35.000 mehr als bislang prognostiziert. VDA-Präsidentin Hildegard Müller sagte dazu: "Wir müssen leider nach aktuellen Berechnungen von einem Beschäftigungsverlust von 225.000 Arbeitsplätzen bis 2035 ausgehen, also etwa 35.000 Arbeitsplätze mehr als bisher angenommen." Bereits jetzt zeigt sich der Trend in den Beschäftigungsstatistiken: Ende des dritten Quartals 2025 waren in der deutschen Autoindustrie nur noch 721.400 Personen beschäftigt, der niedrigste Stand seit 2011. Zwischen 2024 und 2025 gingen 48.700 Stellen verloren, ein Rückgang um 6,3 Prozent.
Bei den Zulieferern zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. Nach einer Umfrage planen 59 Prozent der befragten Unternehmen, ihre Mitarbeiterzahl in den nächsten fünf Jahren zu reduzieren, 14 Prozent sogar in starkem Umfang. Lediglich 15 Prozent der Zulieferer wollen in diesem Zeitraum neue Stellen schaffen. Continental etwa baut bis Ende 2026 weitere 3.000 Stellen in der Autozuliefersparte ab.
Volkswagen kündigt Abbau von 100.000 Stellen an
Besonders deutlich wird der Umbau bei Volkswagen. Konzernchef Oliver Blume nannte erstmals konkrete Zahlen: Bis 2030 sollen weltweit rund 100.000 Stellen wegfallen, davon sind etwa 50.000 bereits vereinbart. Hintergrund ist unter anderem eine Überkapazität von rund 500.000 Fahrzeugen gegenüber dem aktuellen Bedarf in den VW-Werken. Blume kündigte an, bis 2030 jährliche Netto-Einsparungen von mehr als 6 Milliarden Euro erreichen zu wollen. Offen bleibt bislang, wie sich der geplante Stellenabbau konkret auf Standorte wie Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm verteilen wird.
Ungarn wird zur Werkbank deutscher Hersteller
Parallel zum Stellenabbau verlagern deutsche Hersteller ihre Produktion verstärkt nach Osteuropa. Zwischen 2019 und 2025 sank die Fahrzeugproduktion in Westeuropa um 26 Prozent, während sie in Osteuropa nur um 8 Prozent zurückging. Mercedes-Benz investiert über 1 Milliarde Euro in das Werk Kecskemét, das nach Erweiterung auf eine Kapazität von bis zu 400.000 Fahrzeugen pro Jahr ausgelegt sein soll und in dem künftig die neue G-Klasse gefertigt wird. BMW eröffnet in Debrecen eine neue, auf Elektroautos ausgelegte Fabrik im Wert von gut 2 Milliarden Euro. Audi produzierte 2025 rund 200.000 Fahrzeuge sowie 1,6 Millionen Motoren und E-Antriebe in Ungarn.
Der Grund für diese Verlagerungen liegt vor allem in den Kosten. Nach Angaben des Mercedes-Finanzchefs liegen die Produktionskosten in Ungarn rund 70 Prozent unter dem deutschen Niveau. In einem Brief an die Beschäftigten heißt es beim Konzern: "Jede Vergabe neuer Produkte und jede Zuweisung von Aufgaben an deutsche Standorte verschlechtert die relative Kostenposition." Die Produktion von Mercedes-Benz in Deutschland soll deshalb in den kommenden Jahren auf maximal 900.000 Fahrzeuge schrumpfen. Wie sich diese Entwicklung langfristig auf Beschäftigung und Wertschöpfung in Deutschland insgesamt auswirkt, ist noch nicht abschließend absehbar. Auch die Frage, wie sich eine mittelfristig steigende Lohnentwicklung in Osteuropa auf die Rentabilität solcher Verlagerungen auswirken wird, bleibt bislang unbeantwortet.
Aktuell werden 7 von 10 Fahrzeugen deutscher Hersteller bereits im Ausland produziert. Helena Wisbert, Professorin für Automobilwirtschaft an der Ostfalia Hochschule, ordnet die Entwicklung so ein: "Die Produktionskosten in Deutschland sind in der Automobilindustrie die höchsten der Welt." Und weiter: "Die Produktionsverlagerung ist noch nicht am Ende."
Strukturwandel durch Elektromobilität und internationaler Wettbewerb
Ein wesentlicher Treiber des Wandels ist der Umstieg auf Elektromobilität, der grundsätzlich weniger Arbeitskräfte erfordert: Während ein Verbrennungsmotor rund 1000 Bauteile umfasst, kommt ein Elektromotor mit etwa 250 Bauteilen aus. Hinzu kommt wachsender Druck durch chinesische Hersteller, die Fahrzeuge nach Einschätzung von Branchenbeobachtern 25 bis 30 Prozent schneller entwickeln und mit einem Kostenvorteil von 20 bis 30 Prozent gegenüber europäischen Konkurrenten produzieren. Die zunehmende Konkurrenz aus China zeigt sich auch bei den chinesischen E-Auto-Exporten, die zuletzt einen Rekordwert erreichten.
Die Arbeitssoziologen Karla Zierold und Stefan Schmalz von der Universität Jena fassen die Reaktion der Branche zusammen: "Auf eine sinkende Profitabilität im Sektor reagiert die Mehrzahl der Hersteller mit Stellenabbau und auch Werkschließungen, um Lohnkosten zu reduzieren." Auch BMW kündigte an, angesichts operativer Belastungen die laufenden Kostensenkungen durch weitere Struktur- und Effizienzmaßnahmen zu intensivieren und zu beschleunigen. Neben dem Kostendruck durch die Elektromobilität bleiben auch andere Risiken wie Halbleiterengpässe für die deutsche Autoindustrie ein Dauerthema für die Branche.
Ausblick
Der eingeschlagene Kurs von Stellenabbau und Produktionsverlagerung dürfte sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Wie viele der angekündigten Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden und welche Standorte in Deutschland davon konkret betroffen sein werden, ist derzeit noch offen. Klar ist bereits, dass sich das Gewicht der Wertschöpfung in der Branche weiter in Richtung Osteuropa verschieben wird.
Häufige Fragen zum Thema
- Wie viele Stellen will Volkswagen bis 2030 abbauen?
- Volkswagen plant weltweit den Abbau von rund 100.000 Stellen bis 2030, davon sind bereits etwa 50.000 vereinbart.
- Warum verlagern deutsche Autohersteller ihre Produktion nach Ungarn?
- Laut Mercedes-Finanzchef liegen die Produktionskosten in Ungarn rund 70 Prozent unter dem deutschen Niveau, was Investitionen wie in die Werke Kecskemét und Debrecen begünstigt.
- Wie viele Arbeitsplätze könnten in der deutschen Autoindustrie bis 2035 verloren gehen?
- Der VDA rechnet mit einem Verlust von rund 225.000 Arbeitsplätzen bis 2035, das sind 35.000 mehr als bisher prognostiziert.
Quellen dieser Recherche
- Automobil-Produktion: Die größten Sparmaßnahmen der Autoindustrie im Überblick
- FundResearch: Autoindustrie rechnet mit größerem Stellenabbau
- Handelsblatt: Autobauer verlagern Produktion nach Osteuropa
- OZ-Online: Wie Ungarn zur Werkbank der deutschen Autobauer wird
- T-Online: Wie Ungarn zur Werkbank der deutschen Autobauer wird
- news.de: Fahrzeugbau - Wie Ungarn zur Werkbank der deutschen Autobauer wird
- Automobil-Produktion: Erneut Zehntausende Stellen abgebaut
- Preußische Allgemeine Zeitung: Im Westen gerät das E-Auto zum Jobkiller
- Telepolis: Deutschlands Autobauer zu langsam, zu teuer, zu selbstgefällig
- Ingenieur.de: BMW überrascht mit Gewinnwarnung und plötzlich geht es um Tausende Jobs
- T-Online: VW-Chef Oliver Blume nennt erstmals Zahlen zum Stellenabbau beim Autobauer
Dieser Artikel wurde von der KI-Redaktion von Autark News automatisiert recherchiert und erstellt. Alle Angaben basieren auf den oben genannten Quellen, Stand: 13. Juli 2026.
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