Halbleiterknappheit zwingt Ericsson und Europas Techkonzerne zum Umbau der Beschaffung
Die Chipkrise durch den KI-Boom lässt Speicherpreise explodieren. Ericsson kündigt Preiserhöhungen an, europäische Mitteltechkonzerne bauen Lager auf und suchen neue Lieferanten, um Produktionsausfälle zu vermeiden.

Die anhaltende Halbleiterknappheit erreicht 2026 auch die europäischen Ausrüster der Telekommunikationsbranche in voller Wucht. Am 14. Juli legte Ericsson seine Zahlen für das zweite Quartal vor, es war zugleich die letzte Bilanzvorlage von Konzernchef Börje Ekholm, der sein Amt Anfang Oktober an Per Narvinger übergibt. Neben soliden Margen von 48 Prozent kündigte Ekholm etwas an, das die Branche aufhorchen lässt: Ericsson wird die Preise bei neuen Ausschreibungen anheben und versucht, auch bestehende Verträge mit Kunden neu zu verhandeln, um die gestiegenen Komponentenkosten weiterzugeben.
Ekholm kündigt Preiserhöhungen zum Amtsende an
Der schwedische Konzern hatte in der Vergangenheit kaum automatische Preisanpassungsklauseln in seinen Verträgen verankert, sodass steigende Chippreise bislang größtenteils auf der eigenen Marge lasteten. Nun sucht Ericsson aktiv das Gespräch mit Kunden, um die Lasten des Halbleiterpreisanstiegs zu teilen. Ekholm sprach von kurzfristigen Maßnahmen wie Produktsubstitution, Anpassungen in der Lieferkette und gezielten Kosteninitiativen. Bereits im vergangenen Monat hatte Ericsson eine Restrukturierung mit Stellenabbau eingeleitet, die sich laut Finanzchef Lars Sandström im weiteren Jahresverlauf fortsetzen soll. Der Konzern reagiert damit auf einen Kostendruck, der längst nicht mehr nur Automobilhersteller oder Chiphersteller selbst betrifft, sondern zunehmend auch Netzwerkausrüster, Industrieelektronik und andere europäische Mitteltechkonzerne trifft.
Speicherchips treiben die Kosten in bisher unbekannte Höhen
Hintergrund ist eine historische Verknappung bei Speicherchips. Marktforscher von Gartner rechnen für 2026 mit einem Anstieg der weltweiten Halbleiterumsätze um rund 64 Prozent, getrieben vor allem durch explodierende Preise für DRAM und NAND-Flash, die um 125 beziehungsweise 234 Prozent steigen sollen. Auslöser ist der Ausbau von KI-Rechenzentren, der enorme Mengen an Hochleistungsspeicher bindet und damit klassische Industriezweige von Telekommunikation bis Automobilbau in einen scharfen Verteilungskampf um verbleibende Kapazitäten treibt. Auch die Semiconductor Industry Association erwartet für den Gesamtmarkt einen Rekordumsatz von rund einer Billion US-Dollar, ein Plus von mehr als 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für Unternehmen wie Ericsson bedeutet das, dass selbst etablierte Lieferbeziehungen keine verlässliche Preisstabilität mehr garantieren.
Die Nexperia-Krise als Warnsignal für die europäische Industrie
Verschärft wurde die Lage zusätzlich durch die Turbulenzen um den niederländischen Standardchip-Hersteller Nexperia, dessen chinesische Muttergesellschaft Wingtech seit Herbst 2025 mit der niederländischen Regierung im Streit liegt. Der zeitweilige Exportstopp Chinas für in China verpackte Nexperia-Chips traf vor allem die europäische Autoindustrie hart, da das Unternehmen rund vierzig Prozent der benötigten Dioden und Transistoren liefert. Wie zuvor bei Volkswagens umfassendem Umbau der eigenen Kostenstruktur zeigt sich auch hier, dass europäische Industriekonzerne ihre Abhängigkeit von einzelnen, geopolitisch fragilen Lieferketten neu bewerten müssen. Ähnlich wie die Digitalisierungsvorhaben der Deutschen Telekom bei Aktienrückkäufen zeigen, geraten auch Beschaffungsentscheidungen zunehmend unter den Einfluss von Kapitalmarktdruck und Kostendisziplin.
Mitteltechkonzerne rüsten ihre Beschaffung um
Eine aktuelle Bitkom-Studie unter mehr als 500 deutschen Unternehmen zeigt, dass 42 Prozent für 2026 mit einer kritischen Versorgungslage bei Halbleitern rechnen. Als Reaktion bauen 56 Prozent der Firmen eigene Lagerbestände auf, 52 Prozent sichern sich über langfristige Lieferverträge ab, und 44 Prozent verfolgen inzwischen eine Multi-Vendor-Strategie mit mehreren parallelen Lieferanten. Ein knappes Viertel investiert sogar in eigenes Chip-Design, um unabhängiger von externen Zulieferern zu werden. Solche strukturellen Anpassungen erinnern an die Reaktion der Siemens Energy nach der Camlin-Übernahme, mit der der Konzern sein Netztechnologie-Portfolio gegen chinesische Konkurrenz absichert. Wie fragil selbst etablierte Lieferketten mittelständischer Zulieferer sein können, zeigte zuletzt der Fall der insolventen Textilfirma Zego nach einem Cyberangriff, der verdeutlicht, wie schnell Störungen in der Beschaffungskette existenzbedrohend werden können.
Ausblick: Keine schnelle Entspannung in Sicht
Analysten erwarten frühestens im Verlauf des Jahres 2027 eine spürbare Entlastung bei den Speicherpreisen, wenn neue Fertigungskapazitäten großer Hersteller anlaufen. Bis dahin dürften Preiserhöhungen wie bei Ericsson eher zur Regel als zur Ausnahme werden. Die EU-Kommission reagiert mit einem im Juni 2026 vorgestellten Technologie-Souveränitätspaket, das statt teurer eigener Fabriken auf Chip-Design und souveräne Cloud-Infrastruktur setzt, da eigene Fertigungsziele als kaum erreichbar gelten. Für europäische Mitteltechkonzerne bleibt die Botschaft eindeutig: Wer Produktionslogistik und Beschaffung nicht diversifiziert, riskiert in der nächsten Engpasswelle zusätzliche Margenverluste.
Häufige Fragen zum Thema
- Warum erhöht Ericsson jetzt die Preise?
- Ericsson gibt gestiegene Kosten für Halbleiterkomponenten an Kunden weiter, da der KI-getriebene Boom bei Speicherchips die Beschaffungskosten deutlich erhöht hat und viele Verträge bislang keine automatische Preisanpassung vorsahen.
- Was hat die Nexperia-Krise mit der aktuellen Chipknappheit zu tun?
- Der Exportstreit um den Chiphersteller Nexperia zwischen den Niederlanden und China unterbrach zeitweise die Versorgung europäischer Autobauer mit Standardchips und verdeutlichte die strukturelle Abhängigkeit der europäischen Industrie von wenigen Lieferanten.
- Wie reagieren europäische Unternehmen auf die Chipknappheit?
- Laut Bitkom-Umfragen setzen viele Firmen auf Lageraufbau, langfristige Lieferverträge, Multi-Vendor-Strategien und teilweise auf eigenes Chip-Design, um Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten zu reduzieren.
Quellen dieser Recherche
- The Mobile Network: Ericsson customers face price rises as company positions for physical AI upside
- PR Newswire: Ericsson reports second quarter results 2026
- RTE: Ericsson's Q2 profit tops expectations, warns on AI costs
- Mind-Verse: Preisentwicklung und Marktprognosen für Halbleiter bis 2028
- Bitkom: Halbleiter-Versorgung in Deutschland, Studienbericht 2026
- atpinfo: Chips: Halbleiterversorgung in Deutschland stark gefährdet
- Industriemagazin: Nexperia-Krise: Der 1-Cent-Chip, der plötzlich ganze Autowerke lahmlegt
- Börse Express: EU setzt auf Chip-Design und eigene Cloud-Infrastruktur
Dieser Artikel wurde von der KI-Redaktion von Autark News automatisiert recherchiert und erstellt. Alle Angaben basieren auf den oben genannten Quellen, Stand: 14. Juli 2026.
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