BASF unter Druck: Strukturkrise erschüttert Chemie-Riesen
BASF streicht Tausende Stellen, das Stammwerk Ludwigshafen schreibt das vierte Jahr in Folge Verluste. Eine Einordnung der Ursachen und der Folgen für den Industriestandort Deutschland.

Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF steckt in einer der tiefsten Krisen seiner Unternehmensgeschichte. Am Stammwerk, dem weltweit größten Chemiekomplex, fiel die Belegschaft erstmals seit 1954 unter 30.000 Vollzeitstellen. Monatlich fallen dort derzeit 300 bis 350 Stellen weg, weltweit wurden seit Januar 2024 rund 7.000 Arbeitsplätze gestrichen, zwei Drittel davon in Europa.
Viertes Verlustjahr in Ludwigshafen
Das Stammwerk schreibt bereits das vierte Jahr in Folge rote Zahlen. Belastet wird der Standort durch hohe Energiekosten, eine schwache Nachfrage und globale Überkapazitäten in der Grundstoffchemie. Vorstandschef Markus Kamieth beschreibt die strukturelle Zwangslage unmissverständlich: "Da können wir nicht raus." Gleichzeitig warnt er vor den finanziellen Belastungen des Umbaus in Deutschland: "Restrukturierungen in Deutschland sind extrem teuer." Für die laufenden Maßnahmen kalkuliert BASF einmalige Restrukturierungsaufwendungen von 1,9 Mrd. Euro für Abfindungen und Übergangszahlungen.
Sparprogramm mit Milliardenvolumen
BASF plant, bis Ende 2026 jährliche Einsparungen von 2,3 Mrd. Euro durch Stellenabbau und Standortverlagerungen zu erzielen. Ergänzend läuft das CoreShift-Programm, das bis 2029 eine Fixkostenreduktion von 20 Prozent im Kerngeschäft gegenüber 2024 anstrebt und bis Ende Juni 2026 bereits eine Einspar-Run-Rate von 2,0 Mrd. Euro erreicht hat. In Ludwigshafen werden dafür energieintensive Anlagen stillgelegt, darunter die Adipinsäure-Produktion. Arbeitsdirektorin Katja Scharpwinkel erklärt dazu: "Diese Schließungen sind Teil der Entwicklung eines langfristigen Zielbildes für die Transformation des Standorts Ludwigshafen." Eine Standortvereinbarung schließt betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2028 aus, BASF setzt stattdessen auf freiwillige Abgänge und sozialverträgliche Lösungen.
Trotz der Schrumpfkurs zeigt sich BASF an der Börse offensiv: Der Konzern kündigte ein Aktienrückkaufprogramm über 1 Mrd. Euro an und hob die EBITDA-Prognose für 2026 auf 6,9 bis 7,7 Mrd. Euro an. Bis 2028 sollen Aktienrückkäufe von insgesamt 4 Mrd. Euro folgen. Die weltweite Belegschaft war Ende Juni 2026 bereits um 14,4 Prozent auf 94.900 Mitarbeiter gesunken.
Branchenkrise als Rahmen
BASFs Probleme spiegeln eine tiefere Strukturkrise der deutschen Chemieindustrie wider. Seit 2022 gingen in der Branche über 13.000 Arbeitsplätze verloren, 2026 gilt laut einer EY-Analyse als viertes Krisenjahr in Folge: "Der Umsatz der Branche dürfte 2026 weiter sinken, damit wäre 2026 das vierte Krisenjahr in Folge." Verschärft wird die Lage durch globale Überkapazitäten, die durch stark gestiegene Chemieimporte entstehen, aus China um 27 Prozent und aus den USA um 17 Prozent im Jahr 2025. Wie stark Chinas zweigeteilte Wirtschaftsentwicklung die Konkurrenzsituation für deutsche Industriezweige verschärft, zeigt sich auch in der Chemiebranche deutlich. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) warnt vor einer Deindustrialisierung, sollte keine politische Flankierung mit besseren Energiepreisen und Investitionsanreizen erfolgen.
Die wirtschaftlichen Verwerfungen bleiben nicht auf einzelne Konzerne beschränkt. Während exportstarke Bereiche der deutschen Wirtschaft von Rekordwerten bei den deutschen Exporten profitieren, gerät der industrielle Mittelbau zunehmend unter Druck, was sich auch in einer wachsenden Insolvenzwelle im deutschen Mittelstand niederschlägt.
Ausblick
Der Tarifabschluss 2026 in der Chemie- und Pharmabranche erweitert den Demografiefonds zu einem Transformations-Tarifvertrag, der Beschäftigungssicherung in den Mittelpunkt rückt. Offen bleibt, ob BASF die CoreShift-Ziele bis 2029 erreicht, wie sich der Stellenabbau nach Auslaufen der Standortvereinbarung 2028 fortsetzt und welchen Beitrag neue Energiequellen langfristig zur Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Ludwigshafen leisten können. Kamieth selbst betont, das Tempo der Umstrukturierung erhöht zu haben, "um unsere Organisation schlanker und effizienter aufzustellen".
Häufige Fragen zum Thema
- Wie viele Stellen streicht BASF aktuell?
- Seit Januar 2024 wurden weltweit rund 7.000 Stellen abgebaut, zwei Drittel davon in Europa. Am Stammwerk Ludwigshafen fallen monatlich 300 bis 350 Vollzeitstellen weg.
- Warum schreibt BASF in Ludwigshafen Verluste?
- Das Stammwerk leidet seit vier Jahren unter hohen Energiekosten, schwacher Nachfrage und globalen Überkapazitäten in der Grundstoffchemie.
- Welche Sparziele verfolgt BASF?
- Bis Ende 2026 sollen jährliche Einsparungen von 2,3 Mrd. Euro erreicht werden, das CoreShift-Programm zielt bis 2029 auf 20 Prozent geringere Fixkosten im Kerngeschäft.
Quellen dieser Recherche
- FARBE UND LACK: BASF präsentiert 2025-Ergebnisse und Stellenabbau
- blackout-news.de: Stellenabbau bei BASF – Ludwigshafen unter 1954er Niveau
- Börsen-Zeitung: BASF kommt bei Stellenabbau voran – Aktienrückkauf angekündigt
- ad-hoc-news.de: BASF Ludwigshafen Beschäftigung unter 30.000
- boerse-express.com: BASF Ludwigshafen Vollzeitstellen erstmals seit 1954 unter 30.000
- blackout-news.de: BASF schließt weitere energieintensive Anlagen in Ludwigshafen
- Handelsblatt: Chemieindustrie – BASF schließt energieintensive Anlagen
- igbce.de: BASF investiert in Grüne Energie
- ARIVA.DE: Deutsche Chemieindustrie 2026 Krisenjahr
- chemieindustrie-online.de: Tarifabschluss 2026 Chemie-Pharmabranche
- EY: Deutsche Chemieindustrie mit Umsatz- und Beschäftigungsrückgang 2026
Dieser Artikel wurde von der KI-Redaktion von Autark News automatisiert recherchiert und erstellt. Alle Angaben basieren auf den oben genannten Quellen, Stand: 10. August 2026.
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