UniCredit vor der Mehrheit an der Commerzbank: Machtkampf um Frankfurts Finanzplatz
Die EZB ebnet UniCredit den Weg zur Commerzbank-Mehrheit. Der Bund hält noch 12,11 Prozent und verhandelt, während Frankfurt um seine Rolle als Finanzplatz bangt.

Die seit September 2024 schwelende Übernahmeschlacht um die Commerzbank hat im Herbst 2026 eine neue Dimension erreicht. Die Europäische Zentralbank erlaubte UniCredit im Oktober 2026, ihre Beteiligung an dem deutschen Institut über die bisherige Schwelle von 30 Prozent hinaus zu erhöhen. Damit rückt Italiens größte Bank ihrem Ziel näher, die traditionsreiche Commerzbank vollständig zu kontrollieren.
Vom Aktienkauf zur Mehrheitsübernahme
Angefangen hatte alles im September 2024, als UniCredit überraschend 4,49 Prozent des damaligen Bundesanteils an der Commerzbank übernahm. Seitdem baute die Mailänder Bank ihre Position kontinuierlich aus, über Aktienkäufe ebenso wie über Finanzinstrumente. Nach Angaben vom Juli 2026 hält UniCredit inzwischen rund 47,59 Prozent der Commerzbank-Aktien und sogar 49,65 Prozent der Stimmrechte. Im Zentrum des Angebots steht ein Aktientausch: Für jede Commerzbank-Aktie bietet UniCredit 0,485 eigene Aktien, was einem Gesamtvolumen von etwa 35 Milliarden Euro entspricht.
Sollte UniCredit zusätzlich den verbliebenen Bundesanteil von 12,11 Prozent erwerben, könnte die Bank laut Einschätzungen eine Gesamtkontrolle von über 60 Prozent erreichen und damit faktisch die vollständige Hoheit über die Commerzbank übernehmen. Wie der Übernahmeversuch die deutsche Bankenlandschaft bereits verändert hat, zeigt sich an der seit September 2024 um 78 Prozent gestiegenen Commerzbank-Aktie.
Widerstand aus Berlin und Frankfurt
Die Bundesregierung lehnte eine Übernahme zunächst ab und begründete dies damit, das Angebot sei zu unattraktiv und schädlich für ein systemrelevantes Institut. Inzwischen signalisiert Berlin jedoch Verhandlungsbereitschaft, allerdings unter Bedingungen. Die Commerzbank selbst versucht, sich mit eigenen Maßnahmen gegen die Übernahme zu wehren: Das Management plant den Abbau von 3.000 Stellen, um das Institut eigenständig schlanker und damit weniger angreifbar zu machen.
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein brachte die Sorge um den Finanzplatz auf den Punkt: Der europäische Finanzplatz Frankfurt am Main, Europas Nummer 1, müsse gestärkt und nicht geschwächt werden. Auch eine Analyse von Euronews betont die besondere Rolle der Bank: Commerzbank habe eine Geschichte, ein Netzwerk von Beziehungen zu Unternehmen und eine wichtige Rolle in der Finanzierung deutscher KMU. Diese tiefe Verwurzelung in der deutschen Mittelstandsfinanzierung gilt als Kernargument der Übernahmegegner, zumal strenge Kreditvergabestandards bereits heute die Finanzierungslage vieler Betriebe erschweren, wie auch die Debatte um gelockerte Kapitalanforderungen der EZB zeigt.
Kritik an der Vorgehensweise
Nicht nur politisch, auch fachlich gibt es Widerspruch. Eine kritische Analyse bezeichnete es als Unding, eine solche Transaktion gegen den erklärten Willen des wichtigsten stillen Teilhabers, des betroffenen Staates, erzwingen zu wollen. Die EZB selbst vertritt eine andere Position und befürwortet grenzüberschreitende Bankenfusionen grundsätzlich: Größere, breiter aufgestellte Banken, die über nationale Grenzen hinweg operieren, würden die europäische Wettbewerbsfähigkeit stärken und Risiken diversifizieren, so die Argumentation der Notenbank.
Offene Fragen bleiben
Ob die Bundesregierung ihren verbleibenden Anteil von 12,11 Prozent tatsächlich verkauft und zu welchen Bedingungen, ist weiterhin offen. Ebenso unklar sind die konkreten Synergieeffekte und Kosten einer Integration sowie die genaue Zahl der am Ende tatsächlich wegfallenden Arbeitsplätze. Auch die langfristigen Folgen für Mittelstandsfinanzierung, Wettbewerb und Finanzstabilität in Europa lassen sich derzeit nicht seriös beziffern. UniCredit ist über die HypoVereinsbank bereits seit 2005 in Deutschland präsent und würde mit einer vollständigen Commerzbank-Übernahme ihre europäische Präsenz erheblich ausbauen. Wie sich der Machtkampf in den kommenden Monaten entwickelt, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie weit der Bund seinen Widerstand noch aufrechterhält.
Häufige Fragen zum Thema
- Wie viel Prozent der Commerzbank hält UniCredit aktuell?
- Nach Angaben von Juli 2026 hält UniCredit rund 47,59 Prozent der Commerzbank-Aktien und 49,65 Prozent der Stimmrechte.
- Welchen Anteil hält die Bundesregierung noch an der Commerzbank?
- Der Bund hält derzeit noch 12,11 Prozent der Commerzbank-Aktien und signalisiert unter Bedingungen Verhandlungsbereitschaft über einen Verkauf.
- Wie hoch ist das Übernahmeangebot von UniCredit?
- UniCredit bietet 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Aktie im Tauschangebot, das Gesamtvolumen liegt bei rund 35 Milliarden Euro.
Quellen dieser Recherche
- ZDF heute: Commerzbank unter Druck – UniCredit-Übernahmeversuch
- MS Aktuell: Unicredit Commerzbank Übernahme eskaliert – 35 Milliarden Euro
- MS Aktuell: EZB ebnet UniCredit den Weg zur Commerzbank (Oktober 2026)
- Focus Plus: Die Risiken der möglichen Commerzbank-Übernahme durch UniCredit
- Yahoo Finance: Commerzbank – Deutsches Tabu wankt
- Table.Media: ComMERZbank – Pro und Contra einer Fusion
- Telepolis: Commerzbank-Übernahme – Berlin stellt UniCredit Bedingungen
- Yahoo Finance DE: Commerzbank – Deutsches Tabu wankt (aktualisiert)
- MS Aktuell: Commerzbank – Bund stellt UniCredit Bedingungen (September 2026)
- Bankstil: Commerzbank und UniCredit – Frankfurt, München, Mailand
- Euronews: Commerzbank – German resistance wanes, UniCredit nears deal
- Bloomberg/iTiger: UniCredit buys 4.5% stake from German government (September 2024)
Dieser Artikel wurde von der KI-Redaktion von Autark News automatisiert recherchiert und erstellt. Alle Angaben basieren auf den oben genannten Quellen, Stand: 2. November 2026.
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