VW kündigt zehn Haustarifverträge: Druck auf Beschäftigte wächst
Volkswagen kündigt fristgerecht zehn von 13 Haustarifverträgen, darunter den Manteltarifvertrag für über 100.000 Beschäftigte. Die Branche steckt in ihrer tiefsten Strukturkrise seit Jahren.

Volkswagen hat zehn von 13 Haustarifverträgen fristgerecht zum 31. Dezember 2026 gekündigt. Betroffen ist auch der zentrale Manteltarifvertrag, der Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten und Zulagen für mehr als 100.000 Beschäftigte in Deutschland regelt. Der Schritt markiert eine neue Eskalationsstufe im Ringen um Kosteneinsparungen bei Europas größtem Autobauer.
Kostendruck als Begründung
Das Unternehmen begründet die Kündigungen mit der Notwendigkeit, verschiedene Regelungen in diesen Verträgen müssten mit Blick auf den aktuellen Kostendruck angepasst werden. Gleichzeitig lehnt der Vorstand die Forderung der IG Metall nach einer Gehaltserhöhung um 5 Prozent ab. Aufgrund des sehr angespannten Marktumfelds passt auch die Forderung der IG Metall nicht zur aktuellen Lage des Unternehmens, heißt es aus dem Konzern. Erste konkrete Auswirkungen könnten demnach Anfang 2027 spürbar werden. Der 2024 geschlossene Zukunftstarifvertrag mit Beschäftigungssicherung bis 2030 bleibt davon jedoch unberührt.
Offen ist bislang, welche konkreten Anpassungen bei Löhnen, Zulagen und Arbeitszeiten VW in den anstehenden Verhandlungen ab Oktober 2026 tatsächlich durchsetzen will.
Zusätzlicher Stellenabbau im Raum
Parallel zu den Tarifkündigungen plant der VW-Vorstand offenbar, weitere 50.000 Stellen weltweit abzubauen, zusätzlich zu den bereits vereinbarten 35.000 Arbeitsplätzen, die bis 2030 in Deutschland wegfallen sollen. Vier deutsche Werke, Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm, stehen nach aktuellem Stand zur Diskussion, wenn es um mögliche Schließungen geht. Konzernchef Oliver Blume relativierte die Zahl von 50.000 Stellen jedoch als theoretische Ableitung ohne Veränderung der Arbeitskosten. Er bezeichnete das Vorhaben als strategisch tiefgreifendste Transformationsprogramm in der Geschichte der Volkswagen Group. Wie viele der weltweit geplanten Stellen letztlich auf Deutschland entfallen und in welchem Zeitrahmen dies geschehen soll, ist weiterhin unklar.
Der Aufsichtsrat billigte das Sparpaket im September 2026 einstimmig. Zusätzlich zum Stellenabbau plant VW jährliche Einsparungen von rund 15 Milliarden Euro. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sieht durch den Plan die dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns gesichert.
Branchenweite Profitabilitätskrise
Die Entwicklung bei VW steht exemplarisch für eine tiefgreifende Strukturkrise der gesamten deutschen Autoindustrie. Eine Analyse der Beratungsgesellschaft EY zeigt, dass der operative Gewinn der Hersteller im dritten Quartal 2026 um knapp 76 Prozent einbrach, auf den mit 1,7 Milliarden Euro niedrigsten Wert seit dem dritten Quartal 2009. Deutschlands Autoindustrie steckt in einer Profitabilitätskrise, sagt EY-Branchenexperte Constantin M. Gall. Die Kostenstruktur in Deutschland ist im internationalen Vergleich nicht mehr wettbewerbsfähig, so Gall weiter. Höhere Löhne, höhere Energiekosten und geringere Fördermittel als in sogenannten Best-Cost-Ländern belasten die Hersteller zusätzlich zum wachsenden Wettbewerbsdruck durch chinesische Elektroautohersteller, die mit niedrigeren Preisen und technologischer Leistung punkten.
Gall rechnet mit weiteren Einschnitten: Ein starker Stellenabbau, Verlagerungen in Best-Cost-Länder und inzwischen auch den Verkauf ganzer Werke bleiben Thema, wie sich etwa an den Überlegungen zum Verkauf des Werks Osnabrück zeigt.
Dominoeffekt in der Branche
Auch andere deutsche Autobauer reagieren mit drastischen Sparprogrammen auf die Krise. BMW plant den Abbau von 8.000 Stellen weltweit, Mercedes-Benz strebt bis Ende 2027 eine Kostenreduktion von 5 Milliarden Euro an. Seit 2018 sind in der Branche bereits 120.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, 2026 gilt vielen Beobachtern als Schicksalsjahr für die deutschen Hersteller. Auch VW selbst treibt eine radikale Bereinigung seines Portfolios voran, um zusätzliche Mittel für den Umbau freizusetzen.
Ob Werksschließungen in Emden, Zwickau, Hannover oder Neckarsulm tatsächlich beschlossen werden oder ob am Ende Verkäufe beziehungsweise Restrukturierungen als Alternative stehen, ist derzeit noch nicht entschieden. Die kommenden Tarifverhandlungen dürften zeigen, wie weit Belegschaft und Management bei den geforderten Anpassungen aufeinander zugehen.
Häufige Fragen zum Thema
- Warum kündigt VW seine Haustarifverträge?
- VW begründet die Kündigung mit dem hohen Kostendruck im Unternehmen. Verschiedene Regelungen der Verträge müssten angepasst werden, zudem lehnt der Vorstand die von der IG Metall geforderte Gehaltserhöhung um 5 Prozent ab.
- Ist die Beschäftigungssicherung bei VW noch gültig?
- Ja, der 2024 geschlossene Zukunftstarifvertrag mit Beschäftigungssicherung bis 2030 bleibt von den Tarifkündigungen unberührt.
- Wie viele Stellen will VW insgesamt abbauen?
- Zu den bereits vereinbarten 35.000 Stellen in Deutschland bis 2030 könnten laut Vorstand weitere 50.000 Stellen weltweit hinzukommen. Konzernchef Oliver Blume bezeichnet diese Zahl jedoch als theoretische Rechengröße, nicht als feste Zielvorgabe.
Quellen dieser Recherche
- watson.ch - Volkswagen kündigt fast alle Tarifverträge
- finanzen.net - Volkswagen kündigt Tarifverträge - Beschäftigungssicherung gilt weiter
- autohaus.de - VW kündigt fast alle Tarifverträge
- onvista.de - Arbeitnehmer: VW will reihenweise Tarifverträge kündigen
- zdfheute.de - VW auf Sparkurs: So ist der Stand
- finanzen.net - Volkswagen-Aktie gefragt: VW kündigt fast alle Tarifverträge
- 20min.ch - Volkswagen Stellenabbau: Diese vier VW-Werke sind bedroht
- zdfheute.de - VW-Sparplan steht: Was der Abbau von 50.000 weiteren Jobs bedeutet
- zdfheute.de - Volkswagen-Stellenabbau: Bis zu 50.000 Jobs in Gefahr
- orf.at - VW-Sanierungsplan steht: Weitere 50.000 Jobs sollen wegfallen
- 1und1.de - Deutsche Autobauer in der Abwärtsspirale - Prognose für 2026 dramatisch
- ey.com - Deutsche Autokonzerne verlieren den Anschluss
- industriemagazin.at - Autoindustrie 2026: Schicksalsjahr für VW, BMW und Mercedes
- industriemagazin.at - VW BMW Mercedes 2026: Autoindustrie 2026 Schicksalsjahr
- cf-fachportal.de - Autoindustrie: Gewinne und Margen brechen ein
Dieser Artikel wurde von der KI-Redaktion von Autark News automatisiert recherchiert und erstellt. Alle Angaben basieren auf den oben genannten Quellen, Stand: 30. September 2026.
Passend zum Thema
Deutsche Autobauer verlieren Profitabilität und Marktanteile im Rekordtempo
VW, BMW und Mercedes verzeichnen die niedrigsten Gewinne seit der Finanzkrise. Chinesische Hersteller und Tesla erobern Marktanteile, während die Kostenstruktur in Deutschland kaum sinkt.
VW prüft Ducati-Verkauf als Teil radikaler Portfolio-Bereinigung
Volkswagen prüft den Verkauf der Motorradmarke Ducati. Ein italienischer Investor bietet 2,5 Milliarden Euro. Der Schritt ist Teil einer umfassenden Zerschlagungsstrategie im Konzern.
VW-Umbau: Bis zu 50.000 Jobs gefährdet, vier Werke vor dem Aus
Volkswagen steuert auf den größten Umbau seiner Geschichte zu: Bis zu 50.000 Jobs stehen weltweit auf dem Spiel, vier deutsche Werke sollen bis 2034 vom Netz gehen.


