Ungarn schaltet Atomkraftwerk Paks ab: Europas Strompreise geraten unter Druck
Wegen historischem Niedrigwasser der Donau fährt Ungarn das Atomkraftwerk Paks erstmals seit 44 Jahren komplett herunter. Die Folgen reichen bis zu deutschen Strompreisen.

Ungarn steht vor einer akuten Energiekrise: Wegen historischen Niedrigwassers der Donau musste das Atomkraftwerk Paks erstmals seit 44 Jahren vollständig heruntergefahren werden. Ministerpräsident Peter Magyar beschrieb die Entwicklung deutlich: "Infolgedessen erzeugt das Kraftwerk nur noch 240 Megawatt Strom, und morgen wird es zum ersten Mal seit 44 Jahren vollständig abgeschaltet." Damit fallen rund 2.000 Megawatt aus der ungarischen Stromproduktion weg, die Krisensituation könnte nach Einschätzung von Beobachtern Wochen andauern.
Hitze treibt Stromverbrauch und Ausfälle gleichzeitig nach oben
Die Situation trifft Ungarn zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Durch die anhaltende Hitze steigt der Stromverbrauch im Land um 20 Prozent auf durchschnittlich 6.000 bis 7.200 Megawatt. Gleichzeitig fällt mit Paks ausgerechnet jener Kraftwerkstyp aus, der 2023 noch 49 Prozent der ungarischen Stromerzeugung lieferte. Die Kombination aus steigender Nachfrage und wegbrechender Erzeugung setzt das Land unter erheblichen Druck.
Die Auswirkungen sind bereits in der Industrie spürbar. Mercedes plant eine dreiwöchige Produktionspause in Ungarn ab der kommenden Woche, auch Suzuki und Mercedes haben Stromeinsparungen angekündigt. Solche Produktionsausfälle reihen sich in eine Reihe von Belastungen ein, die Hitzewellen für die deutsche und europäische Wirtschaft mit sich bringen, wenn Energiekosten und Betriebsunterbrechungen zusammenkommen.
Auch Frankreich und Schweiz drosseln Atomkraft
Ungarn ist kein Einzelfall. In Frankreich musste das Kernkraftwerk Golfech wegen zu hoher Temperaturen der Garonne komplett abgeschaltet werden. In der Schweiz mussten am Kernkraftwerk Beznau beide Reaktoren wegen zu hoher Wassertemperatur der Aare heruntergefahren werden. Ein Bericht fasst die Lage so zusammen: "Atomkraftwerke drosseln ihre Leistung, Windstrom fehlt weitgehend, Solaranlagen liefern weniger als erwartet." Da europäische Strommärkte eng miteinander verbunden sind, treffen Strompreisexplosionen in einem Land auch Verbraucher in anderen Ländern.
Die Folgen zeigten sich bereits während der Hitzewelle im Juni 2026: Am 23. Juni stiegen die deutschen Strompreise auf 747,10 Euro pro Megawattstunde. In Belgien wurde mit 1.038,25 Euro pro Megawattstunde eine noch höhere Preisspitze erreicht, in den Niederlanden lag der Wert bei 902,47 Euro pro Megawattstunde. Besonders osteuropäische Importländer gerieten unter Druck, da Frankreich und die Schweiz nicht genug Strom exportieren konnten. Eine Analyse bringt das Problem auf den Punkt: "Die Hitzewelle legt Schwachstellen eines Energiesystems offen, das für neue Wetterbedingungen nicht gerüstet ist."
Extremwetter als wiederkehrendes Risiko
Die Hitzewelle im Juni 2026 gilt als eines der außergewöhnlichsten Extremereignisse der europäischen Wettergeschichte. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC rechnet allein für den Zeitraum vom 13. bis 29. Juni mit rund 10.000 zusätzlichen Hitzesterbefällen. Die Kombination aus Extremhitze und gedrosselten Atomkraftwerken führt inzwischen wiederholt zu Versorgungsproblemen in Importländern. Ähnliche strukturelle Risiken zeigen sich auch bei anderen wasserabhängigen Infrastrukturen, etwa wenn niedrige Flusspegel zum Problem für die Industrie werden, wie es zuletzt bereits am Rhein zu beobachten war, wo Niedrigwasser zu einem Strukturrisiko für die Wirtschaft geworden ist.
Ausblick
Offen bleibt, wie lange die Donau unter kritischen Pegeln bleibt und wann Paks wieder hochgefahren werden kann. Ebenso unklar ist, welche weiteren industriellen Produktionsausfälle durch anhaltende Stromknappheit und hohe Preise in Ungarn und Osteuropa entstehen könnten. Langfristig stellt sich die Frage, ob Speicherlösungen, Netzausbau und eine dezentralere Energieversorgung künftige Hitzewellen-Krisen dieser Art verhindern können.
Häufige Fragen zum Thema
- Warum musste das Atomkraftwerk Paks abgeschaltet werden?
- Historisches Niedrigwasser der Donau erschwerte die Kühlung des Kraftwerks so stark, dass es erstmals seit 44 Jahren komplett heruntergefahren werden musste.
- Wie wirkt sich die Abschaltung von Paks auf Strompreise in Deutschland aus?
- Da europäische Strommärkte verbunden sind, können Versorgungsprobleme in Ungarn, Frankreich oder der Schweiz auch deutsche Strompreise beeinflussen, wie bereits während der Hitzewelle im Juni 2026 mit Preisen von 747,10 Euro pro Megawattstunde beobachtet wurde.
- Welche Unternehmen sind von der ungarischen Energiekrise betroffen?
- Mercedes plant eine dreiwöchige Produktionspause in Ungarn ab der kommenden Woche, auch Suzuki hat Stromeinsparungen angekündigt.
Quellen dieser Recherche
- Handelsblatt: Hitze: Niedrigwasser in der Donau – Ungarn fährt Atomkraftwerk Paks herunter
- T-Online: Ungarn stoppt Atomkraftwerk – Stromversorgung unter Druck
- OnVista: Ungarn stoppt Atomkraftwerk – Stromversorgung unter Druck
- Statista: Anteil der Atomenergie an der Stromerzeugung in Ungarn
- Handelsblatt: Hitzewelle: Frankreich drosselt Atomkraftwerke – deutsche Strompreise steigen
- IWR: Hitzewelle erhöht Kühlbedarf, belastet Kraftwerke und treibt Strompreise
- Blackout News: Hitzewelle treibt Strompreis über 1.000 Euro
- CUBE CONCEPTS: Hitzewelle & Strommarkt 2026: Wie Hitze den Markt beeinflusst
- T-Online: Hitze legt Deutschlands Energiewende-Fehler gnadenlos offen
- Das Wetter: Europa unter Hitzestress: Warum Extremhitze zum Systemrisiko wird
Dieser Artikel wurde von der KI-Redaktion von Autark News automatisiert recherchiert und erstellt. Alle Angaben basieren auf den oben genannten Quellen, Stand: 2. August 2026.
Passend zum Thema
Insolvenzwelle 2026: Verbraucher und Mittelstand am Limit
Während große Konzerne Schlagzeilen machen, rollt eine stille Pleitewelle durch Deutschlands Mittelstand und private Haushalte, mit Rekordzahlen bei Insolvenzen.
Russlands Wirtschaft unter Dauerbeschuss: Wie der Krieg Moskaus Finanzstabilität untergräbt
Ukrainische Drohnen treffen russische Raffinerien und Exporthäfen, während Moskau mit hoher Inflation, Rekordzinsen und einem militarisierten Haushalt kämpft. Die Kriegswirtschaft zeigt erste Risse.
Chinesische E-Lkw-Offensive setzt deutsche Nutzfahrzeugbauer unter Druck
Rund sechs Dutzend chinesische E-Lkw-Hersteller planen 2026 den Markteintritt in Europa, mit Preisen 30 Prozent unter dem Durchschnitt. Deutsche Hersteller geraten technologisch ins Hintertreffen.


